Interior Days 2026: Was aus Ostwestfalen für 2027 bleibt

Es gibt Orte, an denen man sich eigentlich nur kurz umsehen möchte und plötzlich ist der halbe Tag vorbei. Genau dieses Gefühl kenne ich von den Interior Days 2026 in Ostwestfalen. Vom 20. bis 24. September wurde die Region zum Treffpunkt der Interior-Branche. Was mich dabei besonders interessiert hat, war weniger die klassische Messeatmosphäre als die Idee dahinter: Design dort zu zeigen, wo es entsteht.
Mehr als 40 Interior-Marken waren an acht Design Hubs in der Region vertreten. Statt einer großen Messehalle verteilte sich das Geschehen auf Showrooms und ausgewählte Locations. Für mich ist das eine spannende Art, Möbel, Materialien und neue Kollektionen zu entdecken, weil der Ort selbst Teil der Präsentation wird.
Eine Möbelmesse, die sich anders anfühlt
Ich mag Messen, aber ich gebe zu: Große Hallen können irgendwann etwas anstrengend werden. Nach einigen Stunden verschwimmen Eindrücke, Materialien und Produktnamen gern zu einem ziemlich dekorativen Durcheinander. Die Interior Days haben einen anderen Weg gewählt. Die teilnehmenden Marken öffneten ihre eigenen Showrooms und machten damit ihre jeweiligen Welten unmittelbar erlebbar.
Das dezentrale Konzept hat einen weiteren schönen Nebeneffekt. Man bewegt sich durch die Region und bekommt nebenbei ein Gefühl dafür, wie stark Ostwestfalen als Möbel- und Interiorstandort tatsächlich ist. Die Interior Days machen diese Kompetenz sichtbar, ohne sie besonders laut vor sich hertragen zu müssen.
Design dort erleben, wo es entsteht
Für mich liegt genau hier die eigentliche Stärke des Formats. Ein Showroom erzählt immer auch etwas über die Haltung einer Marke. Wie werden Möbel inszeniert? Welche Materialien stehen im Mittelpunkt? Wie viel Raum bekommen einzelne Stücke? Und welche Kombinationen entstehen, wenn man die Dinge tatsächlich in einer gestalteten Umgebung sieht?
Gerade für meine Arbeit als Interior Designerin sind solche Eindrücke wertvoll. Ein einzelnes Möbelstück kann auf einem Foto ganz anders wirken als in einem Raum. Proportionen lassen sich vor Ort besser einschätzen, Oberflächen wollen gesehen und manchmal auch angefasst werden. Und natürlich gibt es immer diese kleinen Details, die auf einem Bildschirm einfach nicht dasselbe erzählen.
Ich finde es besonders spannend, wenn ein Möbelstück nicht für sich allein überzeugen muss, sondern im Zusammenspiel mit Raum, Licht, Material und Atmosphäre.
Viele Marken, viele unterschiedliche Handschriften
Zu den teilnehmenden Marken gehörten unter anderem ASCO, KFF, Möller Design, Signet und Sudbrock. Gerade diese Mischung macht für mich den Reiz aus. Unterschiedliche Hersteller bringen unterschiedliche Vorstellungen von Wohnen, Materialität und Gestaltung mit. Dadurch entsteht kein einheitlicher Messe-Look, sondern ein viel breiteres Bild dessen, was die Branche gerade beschäftigt.
Bei KFF und ASCO beispielsweise wurde der gemeinsame Showroom in Rheda-Wiedenbrück für die Interior Days neu inszeniert. Möller Design zeigte in Lemgo neben bewährten Kollektionen auch Neuheiten und begrüßte mit Buciano und Casalis zwei Gastmarken. Solche Präsentationen finde ich besonders interessant, weil sie zeigen, wie unterschiedlich ein bestehender Raum auf neue Inhalte reagieren kann.


Was ich von den Interior Days 2026 mitnehme
Mein Eindruck nach diesen fünf Tagen ist vor allem: Inspiration entsteht selten durch ein einzelnes spektakuläres Möbelstück. Sie entsteht aus vielen Eindrücken, Gesprächen und Beobachtungen. Aus einer interessanten Materialkombination. Einer Farbe, die plötzlich ganz selbstverständlich wirkt. Einer Leuchte an der richtigen Stelle. Oder einer Rauminszenierung, bei der man denkt: Genau so könnte es funktionieren.
Das ist für mich auch der Grund, weshalb solche Veranstaltungen für die tägliche Planungsarbeit wichtig sind. Ich möchte Trends nicht einfach sammeln wie hübsche Bilder in einem Ordner. Mich interessiert vielmehr, welche Ideen langfristig Bestand haben und wie sie sich in individuelle Räume übersetzen lassen.
Und was ist mit 2027?
Einen konkreten Termin oder ein offiziell bestätigtes Konzept für 2027 möchte ich an dieser Stelle nicht vorwegnehmen. Dafür gibt es zum jetzigen Zeitpunkt keine belastbare Information, auf die ich mich stützen könnte.
Spannend finde ich allerdings die Frage, ob sich dezentrale Formate wie die Interior Days langfristig stärker etablieren. Die Idee, Marken, Hersteller und Besucher direkt an den Orten zusammenzubringen, an denen Produkte entwickelt, produziert und präsentiert werden, hat ihren ganz eigenen Charme. Gerade in einer Region mit einer so dichten Möbel- und Interiorlandschaft liegt dieser Gedanke nahe.
Für mich bleibt deshalb weniger eine einzelne Trendfarbe oder ein bestimmtes Produkt aus den Interior Days 2026 im Gedächtnis. Es ist vielmehr die Erfahrung, wie inspirierend es sein kann, Design in seinem eigenen Umfeld zu entdecken. Und genau solche Eindrücke nehme ich gern mit in meine nächsten Planungen.
Die Interior Days 2026 sind vorbei. Die Ideen, die man von dort mitnimmt, dürfen gern noch ein bisschen weiterarbeiten. Ich finde, das ist ohnehin die schönste Form von Inspiration.








